Caravan, Kunsthaus Aarau

Ausstellungsansicht mit Derborance, Psyop, Devertimento per gli ragazzi, Ohne Titel (Trapez), Ohne Titel (Cutter2)
Schürch Johannes Robert
Begegnung. 1921
Feder lavier auf Papier
56.5 x 38.5 cm
Aargauer Kunsthaus Aarau /
Schenkung der Sophie und Karl Bindig - Stiftung
Auberjobois René
Dompteuse et lion. Um 1918
Feder, Bleistift auf Papier
21.7. 21.8. cm
Aarauer Kunsthaus
Dunja Herzog setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit dem Thema Raum in seinen unterschiedlichen Ausprägungen auseinander. Zum einen stellen ihre Plastiken aus organischen und industriellen Materialien eine Beziehung zum umgebenden Raum, seinen Begebenheiten und seiner Geschichte her, was in der Ausstellung im Aargauer Kunsthaus auf beeindruckende Weise erlebbar ist. Zum anderen hat sich die Basler Künstlerin in den letzten Jahren intensiv mit dem sozialen Raum in afrikanischen Ländern auseinandergesetzt, die sie seit 2003 wiederholt bereist hat. In mehrmonatigen Aufenthalten in Kamerun und angrenzenden Ländern hat sie sich eingehend mit dem Diskurs über zeitgenössische Kunst beschäftigt. Sie hat sich in Projekten engagiert, welche sich mit der Entstehung zeitgenössischer Kunst, mit den Mechanismen von Kunstsystemen und mit den soziokulturellen und ökonomischen Umfeldern der Kunstschaffende auseinandergesetzt haben. Während ihren Aufenthalten in Afrika hat Dunja Herzog nicht nur die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen reflektiert, sondern auch ihre eigene Rolle und ihr Engagement hinterfragt. Diese Erfahrungen verarbeitet sie in der 36-teiligen Druckserie Regarding Pain (2008), die den Umgang des Betrachters mit Bildern von Gewalt und Leid thematisiert. Der Werktitel verweist auf Susan Sontags Standartwerk Das Leiden anderer betrachten (2003). Anstelle von Bildern konfrontiert uns Dunja Herzog mit leeren Flächen im Standardmass einer Fotografie, darunter finden sich Werktitel aus Goyas Serie Die Schrecken des Krieges (um 1808), die das menschliche Elend eindringlich darstellen. Dunja Herzog hat für das Aargauer Kunsthaus in der permanenten Sammlungspräsentation eine ortsspezifische Installation geschaffen, in der ihre neuen Arbeiten mit Werken aus der Sammlung in Dialog treten. Gemälde der bedeutenden Künstler Alberto Giacometti, René Auberjonois, Louis Soutter, Johannes Robert Schürch und Georges Rouault hat sie im Saal neu arrangiert und teils durch Arbeiten derselben Kunstschaffenden ersetzt. Dadurch entsteht im Raum eine neue thematische Ausrichtung und Atmosphäre. So mannigfach der Zeichen- und Malstil der Künstler ist, bei allen präsentierten Werken steht die Frage nach der «condition humaine», nach der Verletzlichkeit und dem Ausgesetztsein des Menschen im Zentrum. Das Trapez über dem Kopf des Besuchers nimmt direkten Bezug auf die Zirkuswelten bei Rouault, Auberjonois und Schürch, und steht zugleich für atemberaubende Höhenflüge mit dem Risiko des Falls. Zwischen den eigentümlichen Objekten Dunja Herzogs, die in ihrer Materialität und Form eine eindrückliche, spannungsgeladene Präsenz entfalten, und den Exponaten aus der Kunsthaussammlung entspinnt sich ein vielschichtiges, subtiles Netz an neuen Bezügen.